MARKUS TIRMANN

Im österreichischen Burgenland wurde Markus Tirmann bereits mit 27 Jahren als Jungunternehmer des Jahres gefeiert. Fünf Jahre jung war der Nachzügler einer Feldarbeiterin mit kroatischen Wurzeln, als sein Vater tödlich verunglückte. Seitdem ist er immer an die Schmerzgrenze gegangen. Privat und beruflich. Heute wächst er über sich selbst hinaus. 

Markus Tirmann sitzt entspannt am Konferenztisch. Der Raum ist von seiner Energie und Begeisterung erfüllt. Er könnte gut ein Politiker sein. Einer von der Sorte, der man glaubt. Ohne viel Worte. Jemand, mit dem man befreundet sein will; wo der Funke einfach überspringt. Markus Tirmann, so meint Benjamin Dietz, einer seiner beiden beruflichen Weggefährten, hat die Kraft einer Lokomotive.

An der Kaffeemaschine im Nebenraum tauscht sich Benjamin mit dem dritten Mann im Bunde, Dominic Goins, angeregt aus. Es herrscht eine fast heilige und doch heitere Spannung an diesem sonnigen Morgen in den Räumen an der Potsdamer Straße in Berlins Stadtteil Tiergarten. Dort haben sie sich mit Tirmann getroffen, um gemeinsam etwas voranzutreiben.

Nichts weniger als eine Bewegung soll es sein. Aus der Kraft eines spezifisch positiven Gefühls heraus, dem Heart on Point, soll aus weltweit ähnlich Gesinnten eine Community entstehen. Jeder Einzelne darin hat es geschafft, mit dem Herz am rechten Fleck über die Herausforderungen von Beruf und „Soziallebenverlinkung“, ja sogar über sich selbst hinaus, erfolgreich zu wachsen. Angesichts der aktuell weitverbreiteten Zukunftsangst inklusive verschärftem Umgangston klingt das bestenfalls naiv. Wodurch kommt ausgerechnet ein Unternehmer dazu, eine Bewegung mit zu gründen, die

Mehrwert mit Herz will? Und wie soll dieser Mehrwert nicht, wie ein Tinder Episoden Strohfeuer, im nächsten austauschbaren Moment verpuffen? Heart on Point soll nämlich erklärtermaßen ein nachhaltiges Wirkungsprinzip sein. Eine immer stärker werdende Bewegung soll es anwenden, damit es sich auch im realen Raum formiert und ihn für zukünftige Generationen gestaltet.

Das Treffen in Berlin startet die ersten strategischen Schritte. Ausgerechnet in einer Stadt, die mittlerweile den Ruf hat, ein Durchlauferhitzer zu sein. Neugründungen haben dort meist nur den Dreisatz von massiver Kapitalanhäufung, schnellstmöglichem Wachstum und noch flotterem Exit inklusive maximalem Verkaufsprofit vor Augen. Und schließlich ist Markus Tirmann Unternehmer, durch und durch. Er vertritt geradezu prototypisch das einsame sich selber Hinaufkämpfen zum Self Made Unternehmer-Star. Gegensätze spornen ihn an. Aber gerade um den schnöden Profit allein geht es ihm nicht.

Als Unternehmer ist Tirmann angekommen. Mit einem rigorosen Projektmanagement hat er europaweit über 40 Karl Lagerfeld Läden realisiert. Damit hat er den Ausbau des Modelabels zum globalen Modeimperium mitgeprägt. Die Belegschaft hält ihn für einen festangestellten Manager. So eng ist er mittlerweile mit dem Label verbunden.

Für den damals 15-Jährigen war die höhere Schule eigentlich kein Thema. Aber sein Cousin ging dahin. Er also auch. Nach der Matura in Elektrotechnik auf der Höheren Technischen Lehranstalt St. Pölten, holte er sich die Feuertaufe nebst kaltem Wasser als Projektleiter in einer Elektrotechnikfirma ab. Den 6000 Einwohner Ort Melk sowie die Firma dort durchlief er im Sturm. Sein Chef suchte einen Verantwortlichen für einen Großauftrag. Keiner der alten Hasen wollte. Da reckte sich ein junger Finger willensstark in die Luft. Dieser Moment entschied alles. Der sich selbst bewusst gewordene Markus Tirmann erledigte die Elekrifizierung des Outlet Centers in Parndorf 1998 mit einem „summa cum laude“. Der Boss lehnte es jedoch ab, ihn an seinem Laden zu beteiligen. Also macht sich Markus Tirmann mit 24 Jahren und 10 Mann in Neusiedl am See selbstständig.

Zur Feier der frisch gegründeten Firma emax kommt der erste Job, ein Weingut im Burgenland. Kurz darauf der europaweite Ausbau von 15 Polo Ralph Lauren Stores. Innerhalb von drei Jahren wird er im Burgenland als Jungunternehmer des Jahres gekürt. Die nimmersatte Medienöffentlichkeit und eine ununterbrochene Aufmerksamkeit der Politik katapultieren ihn aus den kleinen Verhältnissen von den Feldern zum Höhenflug darüber. Mit seinen 40 Mitarbeitern und Niederlassungen in Dubai, Kroatien und Neusiedl am See lebt und arbeitet er hart.

Dann der plötzliche Crash. Der Zahlungsausfall einer hohen Summe haut das System entzwei. Tirmann ist kein Verlierertyp. Den sicheren Konkurs wendet er mit einer Aktion ab, die typisch für ihn ist. Er fährt direkt vor die Outlets. Wer dort einziehen will, kommt an ihm nicht vorbei. Vor Ort verkauft er ihnen vom Parkplatz weg den Ausbau ihrer Läden im Outlet. Sein Vorbild ist die Mutter. Er hat mitbekommen wie Sie trotz aller Rückschläge immer wieder aufgestanden ist. Auch der frühe Tod des Vaters und die schlecht entlohnte Feldarbeit kann sie nicht davon abhalten, an das Gute zu glauben und dem 5 jährigen Energiebündel im Dauergepäck, ihre Liebe zu geben.

In den Medien wird der Fast-Konkurs des ehemaligen Jungunternehmer Stars immer noch genüsslich ausgebreitet. In dieser erkenntnisreichen Zeit lässt er sich von seiner Frau scheiden. Ihr Kind, das mittlerweile fünf Jahre alt ist, wird ein Jahr später auf einem Reiterhof ins Gesicht gebissen. Markus Tirmann fühlt sich auf dem Holzweg. Nein, das kann nicht das Ende sein. Er muss lediglich seinen Kopf frei und die Seele wieder zusammen bekommen. Er lernt seine zukünftige Frau Csilla, eine gebürtige Ungarin kennen, die er in einer fulminanten Hochzeit ehelichen wird.

Doch zuvor geht er den Jakobsweg, 800 km lang. Sie reist ihm nach und begleitet ihn ein paar Tage lang. Mit seinen Lebensfreunden Wolfgang und

Thomas teilt er sich den Weg, wie auch in seinem bisherigen Leben Freud und Leid. Sie alle bekommen die gesuchte Antwort. Das alles hat es auf den Punkt gebracht. Ihm ist klar, dass er keinem Menschen mehr etwas vormachen will, auch sich selbst nicht mehr – kein kleines bisschen.

Eines Nachts reißt er das Fenster auf. Seine Lungen füllen sich mit frischer Luft und er brüllt das Universum durch das Küchenfenster an: ich bin Projektmanager. Das schwarze Nichts antwortet ihm mit einem Job für Philipp Morris. Er soll als Projektleiter die Installation von Werbeträgern in 4000 Tabakläden ausrollen. Zeitfenster: drei Monate. Die Excel Liste, die sich vor Tirmann aus dem Tintenstrahldrucker zu einer Riesenwurst rollt, ist sieben Meter lang und 5 Meter hoch. „Das“, so sagt er verschmitzt, „war mein Start ins Projektmanagement und raus aus dem Elektrifizieren von Gebäuden“. Es ist auch der Start in seine neue Ehe mit Csilla, die ihn motiviert, wieder zum Ausgangspunkt, zurück nach Melk zu ziehen. Die Mutter der neugeborenen Tochter Stella, versteht sich auch mit Jasmin, der Tochter aus erster Ehe glänzend. Das ist Seelenbalsam für Tirmann, der nun immer weiter durchstartet. Ein Investor möchte, dass er ein Weingut in Rumänien in die grüne Wiese setzt. Innerhalb von 68 Tagen steht es und die Trauben werden geerntet. Auf der Baustelle stehend wird ihm zum ersten Mal zutiefst bewusst: wenn man Menschen verantwortungsvoll behandelt und richtig mit ihnen

umgeht, kann man es schaffen, alles schaffen. Jahre später wird er genau diese Art von Bewusstsein Heart on Point nennen. Für den Investor ist er bis heute als Planer unterwegs. Zurück in Melk wartet bereits ein Anruf. Ein Bekannter bittet ihn, ein Projekt in München zu übernehmen; die Organisation des Baus von einem Karl Lagerfeld Geschäft.

In bekannter Tirmann Manier, steht der Laden schneller als geplant und glänzt blitzsauber. Alle Sachen sind am richtigen Platz. Seitdem hat er 40 Karl Lagerfeld Stores europaweit umgesetzt.

Seine Heart on Point Weggefährten, Dominik Goins und Benjamin Dietz, lernt er dort kennen. So wie er, haben die ebenfalls aus einfacheren Verhältnissen kommenden Weggefährten, eine dicke Karriere hingelegt. Alle sind knapp am Burnout, einem Burnout im klinischen, nicht modischen Sinne, vorbeigerauscht. Sie alle mussten für ihren Erfolg viel Fersengeld bezahlen. Die Quintessenz aus ihren Erfahrungen und die Erfahrung des Momentes, in dem ein Wert mehr wird, als nur eine Zahl auf dem Konto, wollen sie nun gemeinsam mit Heart on Point in Bewegung setzen. Tirmann meint: „Aufgrund meiner Arbeitserfahrung, möchte ich mit Leuten arbeiten, wo die Frequenz passt und woraus sensationelle Sachen entstehen können – egal ob es zwei oder 200 Leute sind“. Seine Haltung verrät auch, dass es ihm bei Heart on Point nicht um die „Work-Life“ Balance geht. Es geht um ein Verschmelzen dieser beide Werte zu einem gemeinsamem Wertebild, dass mehr ist als die einzelnen Farbtupfer aus denen es sich zusammensetzt. „Wir treffen jeden Tag auf Menschen: Geschäftspartner, Freunde, Mitarbeiter, Chefs. Einige davon sind Heart on Point.

Ich habe Benjamin und Dominic auf dem Weg getroffen und obwohl wir komplett unterschiedlich sind, haben wir eine unfassbare Gemeinsamkeit. Sie bringt Höchstleistungen hervor, macht Spaß und trennt uns nicht vom Leben.“

Sie ist vielmehr das Leben selbst und das lässt sich nicht in religiöse, ideologische oder kleinbürgerliche Kisten sperren. Sie ist eine mögliche Antwort auf eine Welt, die sich analog und digital wie in einem Kaleidoskop fragmentiert hat. Allerdings ohne ersichtliches Ordnungsprinzip. Daraus kann zwar auch vieles entstehen, aber der Mensch sehnt sich nach einer direkten Ansprache mit universell anwendbarem Wertekanon. Wird das über nationale, religiöse, ideologische Begrenzungen hinweg erlebbar, ist der Heart on Point eine Bewegung geworden. Das trifft den Nerv unserer Zeit. Die Menschen wünschen sich, für das erkannt zu werden was sie sind: Menschen mit Gefühlen und Verstand.

„Als ich Dominic und Benjamin bei unserer Arbeit für Karl Lagerfeld kennengelernt habe, ging uns ein Licht auf: Wir schaffen gemeinsam nur deshalb innerhalb kürzester Zeit so viel, weil wir uns perfekt ergänzen, dabei ungeheuer

gut gelaunt sind, uns mögen, schätzen und vertrauen“. Das ist das Strahlen von Heart on Point, dass er heute vernetzen will. Nachdenklich sagt Tirmann: „Als mein Vater damals tödlich verunglückte, war er genauso alt wie ich jetzt: 44 Jahre.“

Er strafft seinen Körper und betont: „Meine Frau gibt mir die Balance und Möglichkeit, Visionen zu entwickeln, meine Kinder die Energie, ihnen zu folgen. All das basiert auf der Liebe, die ich als Kind erhalten habe und die ich jetzt weitergeben kann!“

heartonpoint_logo-1.png

© HEARTONPOINT GmbH 2020 – All Rights Reserved